Der Señor de Bombori in Geiselhaft
Es ist wieder diese Zeit im Jahr. Eigentlich sollten in diesen und kommenden Wochen Tausende Gläubige auf dem Weg zum Señor de Bombori sein. Die Wallfahrt in der Region Potosí ist nicht nur ein tief verwurzeltes, spirituelles Highlight, sondern für die Menschen in den Hochlandgemeinden auch ein Lebensnerv. Es ist eine Zeit der Begegnung, des Glaubens – und für viele Einheimische die wichtigste Einnahmequelle des ganzen Jahres.
Doch statt Pilgerströmen und bunten Märkten herrscht auf den Straßen Boliviens wieder einmal der Stillstand.
Landesweite Straßenblockaden, organisiert von einer verschwindend geringen Minderheit von vielleicht zwei Prozent der Bevölkerung, legen das gesamte Land lahm. Was hier passiert, ist kein legitimer Protest mehr; es ist die bewusste Geiselhaft einer ganzen Nation für die Machtinteressen weniger Einzelner.
Der Kollaps des Tourismus trifft die Schwächsten
Unter dem Deckmantel politischer Forderungen wird nicht nur eine jahrhundertealte Tradition kaputtgemacht, sondern auch das wirtschaftliche Fundament unzähliger Familien zerstört. Der Tourismus und der Pilgerverkehr, von dem weite Teile des Landes und gerade die strukturschwachen Regionen im Altiplano leben, brechen unter diesen Bedingungen komplett weg.
Wenn die Hauptverkehrsadern blockiert sind, betrifft das eben nicht die Elite in ihren klimatisierten Büros. Es trifft:
Die Marktfrauen, die ihre Waren nicht transportieren können und auf Lebensmitteln sitzen bleiben.
Die lokalen Kleinunternehmer und Fahrer, deren Existenz an der Mobilität hängt.
Die Gemeinden vor Ort, die monatelang auf diesen Moment hingearbeitet haben, um die kargen Monate des Jahres zu überstehen.
Macht durch Elend?
Es hinterlässt einen ungemein bitteren Beigeschmack und großen Ärger, wenn man dieses wiederkehrende Paradoxon in Bolivien beobachtet: Es scheint fast so, als könnten bestimmte radikale Minderheiten ihre Macht nur dann sichern und ausbauen, wenn es dem Volk wirtschaftlich schlecht geht. Je größer die Not und das Chaos, desto leichter lässt sich Druck auf den Staat ausüben – ohne jede Rücksicht auf Verluste, ohne Respekt vor dem Wohl der Allgemeinheit.
Wir können in den kommenden Wochen nur inständig hoffen, dass die Vernunft siegt, die Blockaden bröckeln und den Menschen in und um Bombori zumindest ein Teil ihrer Wallfahrt und ihrer Lebensgrundlage gerettet wird. Das Hochland hat diese ständigen Steine im Weg nicht verdient.
Gepostet am 3. Juni 2026 von Bernhard Webmaster für Macha Bolivien
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