Lukas 4,16–30 und die Befreiungstheologie
Lukas 4,16–30 gilt in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie als das „Antrittsmanifest Jesu“ (Manifesto de Nazaré). Der Text bietet das fundierte biblische Fundament für die radikale Neuausrichtung der Kirche auf die Armutsbekämpfung und Befreiung im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts. Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas Lk 4, 16–30 Die zentralen Eckpunkte in der Befreiungstheologie Keine Vergeistigung der Armut: Befreiungstheologen wie Gustavo Gutiérrez oder Jon Sobrino protestierten gegen eine rein spirituelle Auslegung der „Armen“. Wenn Jesus aus Jesaja 61 zitiert („den Armen eine frohe Botschaft bringen, den Gefangenen die Entlassung verkünde“), meint dies konkrete historische, soziale und ökonomische Befreiung von Unterdrückung. Hermeneutischer Schlüssel: Lk 4 wird als Schlüssel verwendet, um das gesamte Leben und Wirken Jesu zu interpretieren. Sein Heilshandeln richtet sich primär an diejenigen, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Die prophetische Absag...