Das Ritual der zwei Gefäße
Ich will jetzt das Geheimnis der zwei Schalen lüften In der andinen Kultur wurde das rituelle Maisbier, die Chicha (in Quechua Aqha genannt), praktisch nie aus einer einzelnen Schale getrunken, sondern immer aus einem identischen Paar von Gefäßen: Gleichrangigkeit und Bündnisse : Wenn der Inka-Herrscher oder ein lokaler Anführer ( Kuraka ) mit einem Gegenüber verhandelte, ein Bündnis schloss oder Frieden vereinbarte, goss man Chicha in zwei exakt baugleiche Schalen oder Keros . Die Geste des Teilens : Der Gastgeber reichte dem Gast eines der vollen Gefäße und behielt das andere für sich. Beide mussten gleichzeitig und die exakt gleiche Menge trinken. Dies symbolisierte absolute Balance, Vertrauen und gegenseitigen Respekt. Es zeigte, dass keine Schale vergiftet war und beide Parteien auf Augenhöhe miteinander verbunden sind. Opfergabe an die Götter : Bevor jedoch getrunken wurde, floss der erste Schluck aus beiden Gefäßen oft als Libation (Trankopfer) auf den Boden – als Dank...